ca. 5 min. Lesezeit

Zwischen Tränen und Schock-Momenten

Geschrieben von
Veröffentlicht am
Sonderveröffentlichung

Schlechte Erinnerungen

Der spektakuläre Bankraub in Gelsenkirchen geht Helmut F. nicht mehr aus dem Kopf. Unbekannte hatten dort Ende Dezember über 3000 Schließfächer im Tresorraum aufgebrochen.

Liegt mein Gold dort noch sicher?

Die schockierende Tat ging bundesweit durch die Medien. Seitdem treiben negative Gedanken den 54-Jährigen umher. Denn: Auch er besitzt ein Schließfach bei seiner Bank. „Liegt mein Gold dort noch sicher?“, fragt er sich. Fakt ist: Sein Vertrauen ist angeknackst.

Alternativen gesucht

Goldhändler Emre Dolunay erzählt die Geschichte seines Kunden und weiß, dass es vielen so ginge. „Die Leute suchen nach einer Alternative.“

Ein weiterer Punkt, der diesen Schritt begünstigt, seien die nach wie vor rekordverdächtigen Goldpreise. Die nehme man gerne mit.

1 Gramm Gold (22.9. 2025)
0
1 Gramm Gold (7.4. 2026)
0

In den Schließfächern schlummern gerne größere Mengen an Gold: von einigen Hundert Gramm bis mehr als einem Kilo. „An dieses Ersparte gehen Kunden, wenn sie sich ein neues Auto kaufen oder ins Eigenheim investieren möchten“, nennt Emre Dolunay zwei Beispiele.

Unerwartete Kosten: Gold hilft

In einer Notfallsituation steckt Julia S.. In ihrem Briefkasten ist eine dicke Rechnung ihrer Auto-Werkstatt reingeflattert. Sie ist auf einen funktionierenden Wagen angewiesen. Kommt sonst nicht zur Arbeit, berichtet Emre Dolunay von der Situation einer anderen Kundin, die in seinem Geschäft stand.

Wie soll ich das nur bezahlen?“

Miete, Sprit, der tägliche Einkauf… die Lebenshaltungskosten sind aktuell eh schon hoch. Julia S. ist verunsichert: „Wie soll ich das nur bezahlen?“ Ihre Gedanken kreisen sich darum, was sie zu Geld machen kann. „Wovon kann ich mich trennen?“

In der Schublade schlummert noch eine Goldkette. Ihr letzter Ausweg ist, diese zu Geld zu machen.

Gefühle nicht mit nach Hause nehmen

Emre Dolunay kennt diesen und ähnliche Fälle: die Kfz-Steuer wird fällig, eine Reparatur im Haus oder ein Arztbesuch, der mit privater Beteiligung verbunden ist.

Da kann es sein, dass jemand mal Tränen im Geschäft vergießt.

„Die Leute haben richtig Angst. Da kann es sein, dass jemand mal Tränen im Geschäft vergießt“, erinnert sich der Experte. „Das lässt mich natürlich emotional nicht gleichgültig zurück.“ Er versucht jedoch, zwischen privat und Beruf zu trennen. Und solche Geschichten nicht mit nach Hause zu nehmen.

Der Nachlass ist ein sensibles Thema

Ein sensibles Thema ist es, wenn es um den Nachlass einer
geliebten Person geht. „Die Zeit spielt dabei eine entscheidende Rolle“, betont Emre Dolunay. Ist der Partner, die Mutter oder der Großvater gerade erst verstorben, „sind die Leute noch sehr emotional angespannt“. Liegt der Tod schon drei, vier Jahre zurück, ist die Gefühlslage schon eine andere.

Die Menschen haben aber immer im Hinterkopf, dass da noch was im Schrank liegt. Das beschäftigt sie. „Wenn sie das Thema abschließen können, fühlen sich regelrecht befreit.“

Oft wird ein goldenes Erinnerungsstück behalten

Bei Haushaltsauflösungen, Kellerfunden oder Umzügen kommt
immer ein buntes Sammelsurium zusammen. „Keiner weiß, ob was Wertvolles dabei ist“, sagt Emre Dolunay. Er berichtet von einem Kunden, der versteckt hinterm Bild etwas fand. Ein anderer musste den Schmuck seiner Eltern aus Büchern zusammensuchen.

Im Goldhandel gibt es eine erste Einschätzung, was es dafür gibt. „Die Leute gehen abschließend in sich und überlegen: Was mache ich?“, führt Emre Dolunay aus und ergänzt: „Oft wird ein Teil als Erinnerungsstück behalten, der Rest veräußert.“

Alte Golduhren ermöglicht schöne Stunden

 

Eine alte Golduhr hat Josef W. noch im Schmuckkästchen seiner Frau liegen. „Während meiner Lehre habe ich das verdiente Geld in die Uhr gesteckt“, erinnert er sich. Doch tragen tut er sie nie. Auch sein Sohn bekundet kein Interesse, hat keinen Bezug zur Uhr. Also gibt Josef W. das Stück weg. Vom eingenommenen Geld hat er seiner Frau einen kleinen Urlaub spendiert, gibt Emre Dolunay eine Geschichte wieder.

http://www.goldfried.de

 

Schock-Momente bei Taschenuhren

„Jüngere Kunden kommen oft mit einer Taschenuhr samt Kette, die sie vom Opa geerbt haben“, so Emre Dolunay. Zeitlich ist dieser Trend für sie so weit weg, dass sie schlecht einschätzen können, was es Wert ist.

„Dann sind sie richtig schockiert über die Auszahlungssumme.“ Vom Geld kaufen sie sich anschließend ein Schmuckstück, das sie gerne tragen und denken sich: „Danke Opa.“

Keine Hemmungen bei Zahngold

„Hinter Zahngold können sich kleine Schätzchen verstecken“, verdeutlicht Emre Dolunay. Kunden haben oft das Gefühl: Das bringt nichts. „Umso überraschter sind sie, was dabei rumkommt.“

Dass noch ein Stück Zahn oder Keramik dransitzt, finden viele unangenehm. „Es kostet sie Überwindung, zu kommen. Ich bin sowas gewohnt“, betont der Goldhändler, dass niemand Hemmungen zu haben braucht.

Spontan-Besuch ist der Klassiker beim Goldverkauf

Übrigens: Der Klassiker, warum Kunden ins Geschäft kommen, ist der spontane Besuch während eines Stadtbummels. „Zuhause hab‘ ich noch drei Krügerrand. Was bekomme ich dafür?“, ist eine typische Frage, weiß Emre Dolunay. Oder man lässt kurz sein Schmuckstück kostenlos bewerten.

Sieben Prüfpunkte
für einen fairen Ankauf

Klingt kompliziert, ist aber schnell geprüft

Erstens

Die offene Waage mit gut lesbarer Anzeige.

Ein klar benannter Tageskurs inklusive Datum und Uhrzeit, keine vagen Richtwerte.

Getrennte Positionen für Schmuck, Zahngold, Münzen und Uhrengehäuse, damit nicht Äpfel mit Birnen verrechnet werden.

Ein schriftliches Angebot zum Mitnehmen mit Gewicht, Feingehalt, Kurs und Summe je Position.

Ausweisprüfung und ordentliche Quittung, damit der Vorgang rechtlich sauber bleibt.

Ruhe statt Druck, Zeit für Fragen, kein Drängen auf eine Sofortentscheidung.

Vergleiche sind ausdrücklich willkommen; wer fair kalkuliert, hat keine Angst vor einer Zweitmeinung.

Weitere Stories
Entdecken Sie weitere spannende Stories aus der Rubrik Lokales

Gregor Espenkott und die Kunst des langsamen Fahrens

Der Schrecken leuchtet wieder auf

Wenn Günter Rehbein an die Motorkontrollleuchte seines Autos denkt, liegen Frust und Happy-End eng beieinander.

Happy End nach misslungenem Auftakt

Eine fehlende kleine Plastikkarte wirbelt bei Familie Mönchhof die Urlaubsplanung kräftig durcheinander.

Der «Dübelkönig» will loslassen: Klaus Fischer wird 75

Wer baut, kommt um Dübel von Fischer kaum herum. Wohl überall auf der Welt dürften...

Seit 40 Jahren summt es in Willis Garten

Wenn es Winter wird, dann kehrt im Garten von Willi Ambrosius Ruhe ein. Die Natur...

„Lebensabschnittsspiele“

Wie Alex Schlüter ihre Welt in 90-Minuten-Partien sortiert

Bernd & Claudia on Tour – Unsere erste Wohnmobilreise nach Südfrankreich

Unsere erste Wohnmobilreise überhaupt: Als Paar losrollen, die Freiheit spüren, unterwegs lernen und lachen –...