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Gregor Espenkott und die Kunst des langsamen Fahrens

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Im Foyer von WestLotto hängen großformatige Bilder, viel Glas, viel Beton, viel Sechzigerjahre-Architektur. Von außen wirkt das schicke Gebäude an der Weseler Straße in Münster wie eines jener Verwaltungsgebäude, an denen man eher vorbeifährt, als sie betritt. Drinnen spricht Gregor Espenkott über Kunst. Über alte NRW-Institutionen, die Gemälde sammelten. Über die „Nacht der Museen“, an der sich sein Unternehmen beteiligt. Und irgendwann, fast beiläufig, landet er bei dem Thema, das ihn sichtbar mehr begeistert als jede Architekturgeschichte: Fahrräder und die anstehende NRW-Radtour, das Fahrradgroßereignis überhaupt, veranstaltet von WestLotto in Zusammenarbeit mit der NRW-Stiftung und WDR 4,  das vom 30. Juli bis zum 2. August durchs Münsterland rollt.

Radfahren nicht als Wettkampf sondern als Genußtour

Gregor Espenkott ist Leiter/Kampagnenmanagement und Werbung bei WestLotto. Vor allem aber ist er einer jener Menschen, die ein Fahrrad nicht benutzen, sondern leben. Einer, der morgens acht Kilometer zur Arbeit fährt, abends wieder zurück. Der Rennrad fährt, Mountainbike fährt, Alpenpässe hochfährt. Einer, der von „meinen Radkumpels“ spricht, wenn andere von Freundeskreisen reden.  Und einer, der seit 2009 fast jedes Jahr bei der NRW-Radtour dabei ist — als Organisator und Teilnehmer zugleich. „Ich bin durch und durch Radfahrer“, sagt er. Man glaubt ihm sofort. 

„Ich bin durch und durch Radfahrer“ 

Idee und Planung

Die NRW-Radtour begann mit einer Idee , die dann zusammen mit  einer Kölner Agentur umgesetzt wurde. Eine Veranstaltung für Breitensportler, nicht für Hochleistungssportler. Kein Rennen, kein Zeitdruck, keine Rekorde. Stattdessen: Vier Tage gemeinsam durchs Land fahren, unterwegs Schlösser und Burgen sehen, mittags an historischen Orten Pause machen, abends Konzerte erleben. Espenkott war damals einer der Mitbegründer. Heute ist die Tour eine Art wanderndes Volksfest auf zwei Rädern. Rund 1400 Menschen fahren mit, in zwei Gruppen aufgeteilt, begleitet von Polizei, ADFC, und Pannenservice. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt irgendwo zwischen gemütlich und gesprächsfähig. „Dabei sein ist alles“, sagt Espenkott. „Es geht hier nicht darum, Erster zu sein.“

Besondere Locations und einmalige Möglichkeiten

Vielleicht ist genau das der Grund, warum die Veranstaltung seit Jahren so gut funktioniert. Wer Gregor Espenkott zuhört, merkt schnell: Die NRW-Radtour ist für ihn weniger Eventmanagement als Haltung, Fahrradfahrerhaltung. Er erzählt nicht von Zielen oder Reichweiten, sondern von Menschen in Regenjacken, die trotz Dauerregen auf dem Hafenplatz tanzen. Von verkleideten Teilnehmern. Von Rentnern, die mit ihren Enkelkindern mitfahren. Von Polizeibeamten, die jedes Jahr wieder hoffen, für die Tour eingeteilt zu werden. Und von diesen seltsamen, seltenen Momenten, die nur auf dem Fahrrad entstehen.

 Etwa damals in Köln, als die Strecke durch den gesperrten Rheinufertunnel führte. Ein Ort, durch den man sonst nur im Auto fährt. „Das war spektakulär“, sagt Espenkott. „Da weißt du: Das machst du nie wieder in deinem Leben.“ Überhaupt spricht er oft davon, dass Radfahren die Perspektive verändert. Dass man Landschaft anders wahrnimmt. Städte langsamer erlebt. Dass man Dinge sieht, die hinter einer Windschutzscheibe einfach verschwinden.

„Das war spektakulär. Da weißt du: Das machst du nie wieder in deinem Leben.“

Von Dülmen nach Münster und zurück mit 15 km/h in vier Etappen

Die diesjährige NRW-Radtour führt Ende Juli unter anderem nach Münster, Nordkirchen, Warendorf und Dülmen. Mittagsstopps gibt es an Orten wie Schloss Nordkirchen oder Burg Hülshoff. Orte, die auch deshalb Teil der Strecke sind, weil sie durch die gemeinnützigen Lotto-Einnahmen mitfinanziert wurden — ein Gedanke, den Espenkott bemerkenswert charmant erklärt: „Wenn du mal nicht gewonnen hast im Lotto, dann ist trotzdem etwas Schönes daraus entstanden.“ Es ist einer dieser Sätze, die man vermutlich nicht in einer Werbekampagne erfinden könnte, weil sie zu schlicht wären. Aber bei ihm funktioniert er.  Vielleicht auch, weil Espenkott selbst nicht wie ein Werbemann wirkt. Eher wie jemand, der sich wirklich freut, wenn 1400 Menschen gemeinsam durch das Münsterland rollen. Er erzählt von den Vorbereitungen wie andere von einem Vereinsfest. Von den Azubis, die vor Ort Infozettel verteilen und Zielbögen aufbauen. 

Von den radelnden Wiederholungstätern, die sich jedes Jahr sofort anmelden, um an der NRW-Radtour teilnehmen zu können. Von den Radfans, die schon Mitte März nervös werden, sobald die neue Strecke veröffentlicht wird. „Die NRW-Radtour ist mittlerweile eine Institution geworden“, sagt er.

„Die NRW-Radtour ist mittlerweile eine Institution geworden.“

Persönliche Herausforderungen

Und während draußen das Wetter noch nicht so recht weiß, ob es Münster mit neuem Regen überzieht, spricht Espenkott plötzlich über seine Rennradtouren mit den Radkumpeln in den Alpen. Mont Ventoux. Galibier. Tour-de-France-Klassiker. Man könnte denken, jemand, der solche Berge fährt, würde auf eine gemütliche Breitensporttour herabblicken. Tut er nicht. Im Gegenteil. Gerade das Langsame scheint ihn, an der NRW-Radtour zu faszinieren. Das Rollen statt Rasen, das Schauen statt Kämpfen. „Man kann links und rechts gucken“, sagt er. „Eben einfach genießen.“

 Vielleicht beschreibt das nicht nur die Tour. Sondern auch seine Vorstellung vom Radfahren insgesamt. Nicht als Wettbewerb, sondern als einen beeindruckenden Moment, wenn im Sommer 1400 Radlerinnen und Radler ganz gemütlich durch das Münsterland fahren. Drücken wir allen Radlern die Daumen, das das Wetter gut wird oder zumindest die Regenkleidung das hält, für das sie gemacht wurde.

http://www.nrw-radtour.de

„Man kann links und rechts gucken, eben einfach genießen.“

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