„Das ist Freiheit“, sagte Bernd schon nach der ersten Stunde
Zwölf Tage, 3500 Kilometer und unzählige Erfahrungen
Unsere erste Wohnmobilreise führte uns – Bernd, 57 Jahre, und Claudia, 51 Jahre – über zwölf Tage hinweg von Rheine bis an das Mittelmeer und wieder zurück. Es waren 3500 Kilometer voller Eindrücke, Begegnungen, Überraschungen und Erfahrungen, die uns noch lange begleiten werden. Um herauszufinden, ob Roadtrips zu uns passen, haben wir ein vollintegriertes Wohnmobil in Rheine gemietet.
Aufbruch aus Rheine – ein neues Gefühl von Freiheit
Schon beim Losfahren spürten wir, dass diese Art des Reisens etwas Besonderes ist. Das Wohnmobil fühlte sich sofort wie ein kleines Zuhause auf Rädern an. „Das ist Freiheit“, sagte Bernd schon nach der ersten Stunde, und ich musste lächeln – Recht hatte er. Der Alltag blieb zurück, und vor uns lag ein Gefühl von Offenheit, das wir so bisher nur von Bootstouren durch Friesland kannten.
Riquewihr – ein malerischer Einstieg
Unser erster Halt zur Übernachtung war das elsässische Riquewihr, ein Dorf wie ein Gemälde. Die schmalen Gassen, die farbenfrohen Fachwerkhäuser, die Weinberge, die den Ort umrahmen – alles wirkte warm, freundlich und einladend. Wir spazierten durch das Dorf, probierten Flammkuchen direkt in der Gastronomie auf dem Campingplatz und genossen den ruhigen Auftakt unserer Reise. Schritt für Schritt fanden wir uns immer besser in den kleinen Alltag eines Wohnmobillebens hinein, der uns sofort gefiel.
„Beim nächsten Mal nehmen wir diese Zusatzversicherung.“
Cluny – Stille, Geschichte und eine unerwartete Lektion
Der nächste Etappenort Cluny begrüßte uns mit einer Atmosphäre, die von der Geschichte der mächtigen Abtei geprägt ist. Die alten Mauern, die großzügigen Plätze und die ruhigen Wege beeindruckten uns nachhaltig. Es war ein Ort, an dem man langsamer wird, an dem man Zeit anders wahrnimmt und an dem man innehalten kann.
Doch gerade hier wartete eine Erfahrung, die uns später oft zum Schmunzeln brachte – aber in dem Moment alles andere als amüsant war.
Beim Durchqueren des Ortes mussten wir über eine mittelalterliche Steinbrücke, die auf den ersten Blick schmal, aber bewältigbar aussah. Ich sagte noch selbstbewusst: „Das passt schon. Ganz sicher.“ Bernd hingegen war skeptischer und sagte leise: „Claudia… das sieht eng aus. Sehr eng.“ Ein vorsichtiger Versuch, ein unglücklicher Winkel – und die Brücke zeigte uns, dass sie über Jahrhunderte nicht weich geworden war. Die Steinmauer war stärker als unser Wohnmobil.
Es gab eine unschöne Berührung, die einen beschädigten Blinker, ein eingedrücktes Seitenteil und eine lädierte Heckgaragentür hinterließ. Ein Moment des Schrecks, der uns kurz die Stimmung nahm, uns aber nicht die Reise verdirbt. Bernd fasste die Situation trocken und treffend zusammen: „Beim nächsten Mal nehmen wir diese Zusatzversicherung.“
Als wir nach der Reise zurück in Rheine waren, zeigte sich, dass der Wohnmobilverleiher äußerst professionell reagierte. Dank der eigenen Werkstatt verlief die Abwicklung völlig problemlos, und wir fühlten uns gut betreut. Die Selbstbeteiligung blieb zwar unser Lehrgeld, doch die Erfahrung half uns, künftig entspannter und zugleich vorsichtiger zu fahren.
Arles – Willkommen im Süden
Mit jedem Kilometer Richtung Provence veränderte sich die Landschaft, und es wurde spürbar wärmer. In Arles angekommen wussten wir, dass wir endgültig im Süden gelandet waren. Die Luft war weich und warm, Zikaden sangen, Olivenbäume und Kräuterduft lagen in der Luft, und das besondere Licht der Provence tauchte alles in eine warme Atmosphäre.
Wir verbrachten unsere Zeit zwischen römischer Geschichte, dem Amphitheater, kleinen Gassen, sonnigen Plätzen und den Spuren Van Goghs. „Jetzt fühlt es sich wirklich nach Urlaub an“, stellte ich fest, als wir bei einem Kaffee im Schatten saßen. Und tatsächlich – hier wurden wir ruhiger, freier und gleichzeitig neugieriger.
Sète und Marseillan Plage – Sommer, Meer und Wärme
Über die lebhafte Hafenstadt Sète erreichten wir schließlich Marseillan Plage. Der erste Blick auf das Meer war ein Moment, den wir beide so schnell nicht vergessen. Die Wärme, die salzige Luft und der weiche Sand ließen uns sofort ankommen. Und der Wetterkontrast zu Deutschland hätte größer kaum sein können: satte 27 Grad und Sonne pur.
Wir gingen jeden Tag baden, frühstückten am Wohnmobil mit Blick aufs Wasser und genossen abends die langen Spaziergänge am Meer. Ich war begeistert: „Genau so habe ich mir das vorgestellt!“ Und Bernd antwortete lächelnd: „Ich auch – und vielleicht ist es sogar noch ein bisschen schöner.“
Es waren Tage, die uns Ruhe gaben und Zeit zum Durchatmen schenkten – ein wohltuender Gegenpol zur langen Fahrt und den Eindrücken der ersten Etappen.
„Genau so habe ich mir das vorgestellt!“
Der Rückweg – vom Sommer zurück in den Herbst
Irgendwann mussten wir uns schweren Herzens auf den Rückweg machen. Wir entschieden uns, die lange Strecke durch Luxemburg an einem Stück zu fahren. Es war anstrengend, aber machbar, und wir kamen gut voran.
Unser letzter Halt war schließlich Konz an der Mosel – und dort erwartete uns ein völlig anderes Wetter: Regen, Nebel und gerade einmal zwölf Grad. Ein scharfer Kontrast zu den warmen Sommertagen am Mittelmeer. „Vor drei Tagen lag ich noch im Meer, und jetzt fühle ich mich wie im November“, sagte ich mit einem halben Lächeln, während wir uns in unsere Jacken kuschelten. Es war ein ruhiger, fast herbstlicher Abschluss unserer Reise – passend dazu servierte das Restaurant auf dem Campingplatz mit Moselblick ausgezeichnete Ente mit Rotkohl und Klößen.
Zurück in Rheine – Aufräumen, Reinigen und Abgeben
Zurück in Rheine wartete die Rückgabe des Wohnmobils auf uns. Wir mussten es am nächsten Morgen bis zehn Uhr vollständig gereinigt wieder abgeben. Also hieß es: alles ausräumen, fegen, saugen, wischen, den Frischwassertank leeren, die Toilette reinigen und volltanken.
Während wir ausräumten, sagte Claudia lachend: „Unglaublich, was man in zwölf Tagen alles in so ein Wohnmobil packt.“ Bernd erwiderte: „Ja – und unglaublich, wie viel man wieder herausbekommt.“
Am Ende war alles sauber, ordentlich und bereit für die Rückgabe. Die Übergabe war freundlich, vertrauensvoll und unkompliziert – ein schöner Abschluss einer intensiven Reise.
Das werden wir auf jeden Fall nochmal machen“
Ein Fazit mit Vorfreude
Diese zwölf Tage haben uns gezeigt, wie wertvoll das Wohnmobilreisen für uns ist. Wir fühlten uns frei und gleichzeitig geborgen, haben gelacht, improvisiert, gelernt, und wir haben viele Momente erlebt, die uns als Paar gestärkt haben. „Das werden wir auf jeden Fall nochmal machen“, steht fest, dass es nicht unsere letzte Reise mit einem Häuschen auf vier Rädern war.
Überraschend war auch, wie gut wir im Wohnmobil geschlafen haben. „Besser als in manchem Hotel“, waren wir uns am letzten Morgen einig, und Bernd ergänzte: „Ich hab geschlafen wie ein Stein.“
Wir wissen heute: Das war erst der Anfang. Die nächste Reise wird kommen – mit etwas mehr Versicherungsschutz, aber mit genau derselben Freude, Neugier und Offenheit.
Leiterin Sonderthemen-Redaktion
Anfängertipps
Hier sind einige Tipps für Anfänger mit einem Wohnmobil:
Vorbereitung
Achten Sie darauf, das Wohnmobil richtig zu beladen und sich mit den Funktionen vertraut zu machen.
Fahrerlaubnis
Überprüfen Sie, ob Sie im Besitz der passenden Fahrerlaubnis sind.
Fahrverhalten
Üben Sie das Fahren mit dem Wohnmobil, da es sich anders verhält als ein normales Auto. Achten Sie auf die Höhe und Breite.
Tankstopp
Planen Sie Ihre Tankstopps im Voraus, um sicherzustellen, dass Sie immer genug Treibstoff haben.
Checkliste
Nutzen Sie eine Packliste, um sicherszustellen, dass Sie immer genug Treibstoff haben.
Reiseland
Informieren Sie sich vorab über Regelungen und Bedingungen für das Fahren mit dem Wohnmobil in ihrem Reiseland.