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Wenn das Karussell des Lebens stoppt

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„Jeder kann von einem Burnout betroffen sein“, sagt Carmen Wagner. In ihren Augen liegen die Ursachen nicht nur im Job. „Es ist ein systemisches Problem.“ Wie lebe ich privat? Habe ich Unterstützung? Wie bin ich innerlich aufgestellt?  Mache ich mir selbst Druck,
dass alles perfekt und schnell läuft? Deshalb sei niemand vorm Burnout gefeit – egal, welches Geschlecht, welches Alter, welcher Bildungsstand.

Es ist ein systemisches Problem.“

Fast eineinhalb Jahre mit Burnout zu Hause

Carmen Wagner hatte selbst einen Burnout. Das war 2021. Fast anderthalb Jahre musste sie zu Hause bleiben. „Es war ein schrecklicher Tag, als mir am 12. Januar förmlich der Stecker gezogen wurde.“

Energielevel wie eine Grippe

Zunächst wurde sie wach, dachte sie habe eine Grippe. So fühlte sie sich vom Energielevel. „Aber es war eine Grippe, die über ein Jahr anhielt.“ Sie schleppte sich durch die Tage. „Ich bin einkaufen gegangen, danach musste ich mich ausruhen“, beschreibt sie ihre Situation. „Es fühlt sich an wie das Karussell des Lebens, das auf einmal anhält.“

Ich bin einkaufen gegangen, danach musste ich mich ausruhen.“

Anzeichen für einen Burnout

Wie hat Carmen Wagner erkannt, dass sie einen Burnout hat? „Erstmal gar nicht.“ Erst ging´s zum Arzt. Der schrieb sie eine Woche krank. Dann die zweite. Eine Ärztin in Köln erkannte schließlich, dass es kein Infekt sein kann, weil die Blutwerte alle in Ordnung waren. „Das konnte ich erstmal nicht wahrhaben.“ Nach vier, fünf Monaten dachte sie, bald wieder arbeiten zu können. Im Mai sagte die Ärztin aber, dass das dieses Jahr nichts werde. Und es war tatsächlich so. „Ich habe erst im März 2022 wieder angefangen, zu arbeiten.“

Kontrolle verloren

Das Schlimmste für Carmen Wagner war in dieser Zeit der Kontrollverlust. Bei einer Erkältung weiß man, dass man in ein bis zwei Wochen wieder fit ist. Das geht beim Burnout nicht. Sie wurde früher oft gefragt: Wann bist du wieder fit? Sie verschränkt die Arme: „Keine Ahnung.“

Das Leben hat immer stressige Phasen. Aber solange ich mit Sport, Wochenende, Urlaub wieder in meine Balance bekomme, ist es machbar.“

Stress vs. Burnout

Bei der Frage, ob es sich um Burnout oder normalen Stress handelt, ist letzterer eigentlich kompensierbar. „Das Leben hat immer stressige Phasen. Aber solange ich mit Sport, Wochenende, Urlaub wieder in meine Balance bekomme, ist es machbar.“ Wenn das aber nicht mehr reicht, um aus diesem Modus herauszukommen, empfiehlt Carmen Wagner, sich beim Arzt abchecken zu lassen. Symptome können sein: Gedankenkreisen, Schwitzen, Schlafprobleme und mehr.

Frauen öfter betroffen von Burnout

Gibt es Gruppen, die besonders für einen Burnout gefährdet sind? Carmen Wagner liegen keine Zahlen vor. Ihrer Erfahrung nach leiden an Burnout oder Erschöpfungsdepression, wie es richtig heißt, häufig Frauen. „Viele haben die Doppelbelastung von Beruf und Familie.“ 

Wenn sie an die Berufsfelder denkt, sind es vor allem Jobs, die mit Menschen zu tun haben. Pflege, Erziehung, aber auch Personaler und Führungskräfte. Dann sind da noch die Ja-Sager. Wenn der Nachbar, der Partner oder der Chef noch etwas von einem will. Da verliert man sich schnell ein Stück weit.

Meine Freunde konnten nicht verstehen, dass die Powerfrau plötzlich sagt, ich kann nicht mehr.

Kampf gegen den Burnout

Um gegen den Burnout anzugehen, hat Carmen Wagner sehr viel reflektiert. „Ich hatte viel Zeit über mich nachzudenken: Was ist da passiert? Was war die Ursache? Was kann ich tun, damit es nicht noch mal passiert?“ 

In der ersten Zeit habe sie sich viel ausgeruht, viel geschlafen. Zum Teil 14 bis 16 Stunden. Außerdem tauschte sie sich mit Gleichgesinnten aus. „Meine Freunde konnten nicht verstehen, dass die Powerfrau plötzlich sagt, ich kann nicht mehr.“ Zudem bekam sie externe Unterstützung.

Leben komplett umgekrempelt

Heute hat Carmen Wagner ihr komplettes Leben umgekrempelt. „Ich bin viel achtsamer geworden. Ich habe ein sehr gutes Gespür dafür entwickelt, wie viel ich mir so in den Tag an Terminen planen kann.“ Das sind kleine Entscheidungen im Alltag, die sie verändert hat.

 „Wenn mein Ex-Freund aus 2019 mit meinem jetzigen Partner sprechen würde, wäre das ein interessantes Gespräch“ führt sie aus: „Mein Ex-Freund würde mich als Powerfrau, die Karriere machen will, und nur unterwegs ist, nicht kocht, rastlos, bezeichnen. Jetzt bin ich komplett konträr. Bin endlich ich. Und definitiv glücklicher, obwohl ich weniger Geld habe, da ich zurzeit in Teilzeit arbeite und nebenberuflich selbstständig bin.“

Coaching statt Personalwesen

Carmen Wagner war über zehn Jahre im Personalwesen tätig,
bevor sie ihrer inneren Stimme folgte und den Weg zum Coaching einschlug. Neben Qualifikationen in Stressmanagement, psychologischem Coaching und Ernährung prägt sie vor allen Dingen ihre eigene Lebensreise: Das Kennenlernen eigener
Bedürfnisse, das Erkennen der Grenzen und das Streben nach Erfüllung. 

Heute unterstützt sie Klientinnen und Klienten mit Empathie, Erfahrung und bewährten Methoden dabei, Selbstfürsorge zu leben, die eigene Berufung zu finden, Einflüsse achtsam zu steuern und mehr Sinn zu spüren – beruflich und privat.

http://www.hugalifecoaching.com

Nein sagen ist wichtig

In ihren Workshops wie bei der 19. „jobmesse münster“ am 13. und 14. Juni möchte Carmen Wagner Menschen sensibilisieren, mehr auf sich und ihren Körper zu hören. Und wichtig: Nein sagen.

Es geht nicht darum, alles abzublocken. Sondern erst in sich reinzuhören, einen Self-Check zu machen und dann eine gesunde Balance zu finden. Also sich einfach mal ein bisschen selbst wahrnehmen, abends mal sagen, wie war der Tag? Was war jetzt vielleicht nicht so gut? Und warum war er nicht so gut? Viele merkten das nicht mehr, sind im Funktionsmodus.

Nicht immer einfach

Nein zu sagen, ist nicht immer einfach. „Mir fällt es auch immer noch nicht in jeder Situation leicht. Es ist ein Übungsprozess.“ Sie empfiehlt, mit kleinen Alltagssituationen beginnen zu üben. „Beispielsweise wenn ich an der Kasse stehe und jemand möchte vorgelassen werden. Da kann ich mal sagen: Nein, tut mir leid.“ Das Nervensystem mache positive Erfahrungen. Merke, dass das gar nicht so schlimm war.

Um das den Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmern zu vermitteln, setzt Carmen Wagner auf viele Praxisbeispiele aus dem Alltag. Darin sollen sie sich wiedererkennen. 

Ich wünsche mir, dass viele Menschen früher erkennen, dass sie sich überlasten. Dass sie etwas verändern.“

Problem Perfektionismus

In ihren Coachings kommen oft Kundinnen und Kunden mit Jobproblemen. Oft ginge es dabei aber um Perfektionismus und ähnliche Dinge. „Ich wünsche mir, dass viele Menschen früher erkennen, dass sie sich überlasten. Dass sie etwas verändern. Eigentlich sollte jeder nach einem Acht-Stunden-Tag Kraft haben, Sport zu machen, Freunde zu treffen oder Zeit für die Familie, anstatt mit Kopfschmerzen auf der Couch zu liegen“, erklärt Carmen Wagner.

Stetig aufwärts

Ein Burnout verändert, macht einen achtsamer und bewusst langsamer, aber es geht stetig aufwärts.

19. "jobmesse münster" am 13. und 14 Juni

Bei der 19. „jobmesse münster“ am 13 und 14. Juni im Messe und Congress Centrum Halle Münsterland ist Carmen Wagner von Huga Life Coaching mit einem Workshop dabei. Am Messe-Samstag (13. Juni) um 12.20 Uhr gibt sie den Kurs: „Lerne Nein zu sagen – Gesundes Abgrenzen als Burnoutprävention“. Die Messe ist am Samstag von 10 bis 16 Uhr, am Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

http://www.jobmessen.de/muenster

 

 

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